Frage der Woche vom 16. Juli 2012

Geschlechtergerechter sozial-ökologischer Umbau, was soll denn das nun wieder sein?

Fazit: Schon in einem frühen Stadium der Debatte hat sich diese von einem Nachdenken über einen geschlechtergerechten sozial-ökologischen Umbau gelöst und wurde dominiert von einer allgemeinen Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit und bedingungsloses Grundeinkommen.

Zusammenfassung: Der Verlauf der gesamten Diskussion wurde von einem Debattenbeitrag bestimmt, dass die Geschlechterrollen-Diskussionen im sozial-ökologischen Umbau nichts zu suchen hätte und die Wiederherstellung der Familien- und Geschlechterpolitik der DDR diesbezüglich sämtliche Probleme lösen würde . Nach einer Antwort zum Zusammenhang zwischen Geschlecht und sozial-ökologischem Umbau brach sowohl die klassische Diskussion um Haupt- oder Nebenwiderspruch sowie um eine angemessene Bewertung der Care-Arbeit auf. Pro- und Contra von Lohn für Hausarbeit und bedingungslosem Grundeinkommen wurden kontrovers diskutiert. Hervorzuheben ist die Debatte um Sinn und Zweck sowie Möglichkeit und Grenzen von (Lohn-)Arbeitszeitverkürzungen und deren geschlechterpolitischen Implikationen.

Der Zusammenhang zur Ökologie wurde zu einem Randthema, einzig am Beispiel der ungleich über die Geschlechter verteilten Nutzung des ÖPNV wurde die Verbindung zwischen Geschlecht und Ökologie noch einmal hervorgehoben. Gegen Ende der Diskussion waren relativ allgemein die Ungleichheit der Verteilung des Wohlstandes, die Legitimität von großen und kleinen Betrügereien zwecks monetärer Vorteile, staatliche Umverteilung oder gerechtere Löhne am Markt (Gerechtigkeit hier als Leistungsgerechtigkeit) und die monetäre Abhängigkeit einkommensschwacher Frauen die bestimmenden Themen.

Erläuterungen zur Frage: In Plan B haben wir ein gutes Leben für Alle durch die Umverteilung von Vermögen, Erwerbsarbeit, gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten und Einkommen beschrieben. Damit ist nicht nur der Anspruch verbunden, dass sich die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern grundlegend ändern und damit Frauen und Männer die gleichen Ressourcen haben, um wirtschaftlich, politisch und kulturell einzugreifen. Es geht genaugenommen darum, diesen Anspruch auch als Bedingung, als soziale Innovation eines umfassenden Veränderungsprozesses zu verstehen, von Anfang an und nicht nachträglich.

Denn Herrschaft über andere, schlechtere Lebenschancen, nur weil mensch zum Beispiel als Frau geboren wurde, sind versagte Chancen und Bremsklötze für ein solidarisches, produktives Wirtschaften und Zusammenleben. Die Veränderungen betreffen den Kampf um völlig neue Wertorientierungen, die Debatte um ein Menschen- und Gesellschaftsbild, in dem die Frage nach einer solaren Energiegewinnung genauso wichtig ist wie die Frage, wie wir die Kinderbetreuung und die Pflege organisieren.

Wir wollen nicht nur eine andere, nachhaltige Produktionsweise und ressourcenschonende Technologien, sofern es um den Stoffwechselprozess mit der Natur geht. Für uns geht es konsequenter Weise auch um die Einbeziehung der geleisteten Sorgearbeit in die Bilanz der gesellschaftlichen Wertschöpfung. Dabei geht es nicht darum, alle Tätigkeiten zu bezahlen, es geht um die gerechte Verteilung. Doch dies hat auch Auswirkungen auf unsere Erwerbsarbeitwelt. Denn sind diese Perspektivwechsel erst einmal Teil der politischen Auseinandersetzung, so dürfte es endlich selbstverständlich werden, dass eine Erwerbsarbeit in der Automobilindustrie nicht mehr wert sein kann als die Arbeit von Kitaerzieherinnen und Pflegekräften. Wir fordern schon lange die deutliche Anhebung der Löhne für sogenannte “frauentypische” Berufe in der Care-Ökonomie. Und im Übrigen ist die Energiebilanz in diesen Berufsgruppen, wie in der Kultur, Bildung und Wissenschaft, weitaus besser, als in manch anderen Wirtschaftszweigen. Also um es ganz salopp zu sagen, wer tanzt, lehrt, forscht und pflegt, verbraucht zumeist weniger Energie als ein Gießereifacharbeiter.

Hinter der Forderung: “Ein gutes Leben für Alle” verbirgt sich ein riesiger Neubewertungsprozess der gesamten gesellschaftlich erforderlichen Tätigkeiten, die unser aller Zusammenleben regeln: der Erwerbsarbeit, der Sorgearbeit, der kulturellen und politischen Arbeit. In den politischen Auseinandersetzungen widerspiegelt sich dieser begonnene Umbewertungsprozess in dem Kampf um eine radikale Arbeitszeitverkürzung bei gleicher Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern. In letzter Konsequenz geht es hier um eine Politik für die Wiedergewinnung von Zeit und Beteiligungsmöglichkeiten für Alle. Denn sozial-ökologischen Umbau geschlechtergerecht angehen, heißt demnach nicht weniger als eine neuartige Zeitpolitik und eine große Wertedebatte um gerechte Ressourcenverteilung anzuzetteln. Es sind unser aller Freiheitsgewinne, die hier freigeschaufelt werden können, wenn Rollenklischees und strukturelle Benachteiligungen und Unterdrückung aufgebrochen werden.

(Input von Cornelia Möhring)

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34 Kommentare

  1. Natürlich geht es um den Umbau aller Werte. Es... von grundmüller walter am 16-07-2012

    grundmüller walter sagt:

    Natürlich geht es um den Umbau aller Werte. Es muß klar sein und klar gemacht werden daß der Mitmensch nicht dazu da ist übertölpelt und ausgenommen zu werden damit es mir selbst noch besser geht, sondern darum: er muß als Mitgeschöpf in Respekt und Solidarität angenommen werden, Schluß mit der Vorstellung der Mensch sei nichts als eine Ware. Eine ungeheure Perversion. Für eine neue soziale (nicht Utopie) Gesellschaft.

  2. Umwertung in den Köpfen, der Mensch ist keine... von grundmüller walter am 16-07-2012

    grundmüller walter sagt:

    Umwertung in den Köpfen, der Mensch ist keine Ware, sondern ein soziales Wesen, wenn man ihn dazu anleitet.

  3. Sozial- ökologischer Umbau geht aus meiner Sicht... von Conny S-K am 17-07-2012

    Conny S-K sagt:

    Sozial- ökologischer Umbau geht aus meiner Sicht nur geschlechtergerecht und ich freue mich, dass dies für das Projekt auch so diskutiert wird. Neben der lange fälligen Entgeltgerechtigkeit und im Input angesprochenen Neubewertungsnotwendigkeit gehört ja eine andere Bewertung von Tätigkeiten generell dazu. Gewinnen werden dadurch Frauen UND Männer. Jetzt bin ich auf die Diskussion gespannt…

  4. Geschlechterrollen-Diskussionen haben im... von Thomas Reuter am 17-07-2012

    Thomas Reuter sagt:

    Geschlechterrollen-Diskussionen haben im sozial-ökologischen Umbau zunächst mal nichts zu suchen. Regionalität der Wirtschaft, kurze Wege zum Arbeitsplatz, Familienfreundliche Arbeitszeiten und Schichtsysteme, entsprechende KITA-Versorgung sind m.E. zwar auch Bestandteil des sozial-ökologischen Umbaus. Es geht eher um die Möglichkeit, KINDER aufzuziehen und ein normales FAMILIENleben zu führen. Wer in der Familie mehr für die Kinder da sein will und kann, ist Privatsache. So war es in der DDR und ähnlich gut könnte es wieder werden. Das wäre völlig ausreichend. Einfach diesen Teil der DDR-Sozialpolitik wieder einführen und gut ist!!! Denn einen wirklichen Unterschied bei der körperlichen Möglichkeit, einen Beruf auszuüben, sehe ich mit wenigen Ausnahmen aufgrund der Produktions-Technologien kaum noch.

    • Einspruch, Thomas: ich möchte die DDR-... von Conny S-K am 17-07-2012

    • sicherlich hatte die DDR viele Dinge die besser... von Margarete52 am 20-07-2012

  5. Thomas: ich kann mir einen sozialökologischen... von Sonja Kiesbauer am 17-07-2012

    Sonja Kiesbauer sagt:

    Thomas: ich kann mir einen sozialökologischen Umbau nicht ohne Infragestellen der bisherigen Geschlechterrollen vorstellen. Es geht doch bei diesem Umbau nicht nur um energieeffizientere Technologien und eine Änderung im Bereich Erwerbsarbeit. Sondern auch um die ganz grundsätzliche Frage: wie wollen wir künftig produzieren, konsumieren und leben? Was macht für uns ein gutes Leben aus? Sind der Maßstab für ein solches Leben Karriere und Konsummöglichkeiten oder gehört dazu für beide Geschlechter die Möglichkeit, selbstbestimmt zu entscheiden, ob, wann und unter welchen Bedingungen sie erwerbsarbeiten, sich um Familie und Freunde kümmern künstlerisch oder politisch tätig oder einfach mal faul sein wollen?
    Wenn das zu unserer Vorstellung einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Gesellschaft dazugehört, bedeutet dies eine enorme Veränderung der heutigen Geschlechterverhältnisse. Denn dann muss nicht nur die Erwerbsarbeit und der Gewinn daraus, sondern vor allem der ganze “Rest” der gesellschaftlich nützlichen Arbeit neu verteilt werden.

    • Liebe Sonja, dein Ansatz “selbstbestimmt... von Kathi am 17-07-2012

  6. Für mich ist der entscheidende Satz:... von Else am 17-07-2012

    Else sagt:

    Für mich ist der entscheidende Satz: “Politik für die Wiedergewinnung von Zeit”,denn indem mehr Zeit für Familie, Ehrenamt, schlicht für alles Soziale bleibt, bekommt unsere Gesellschaft erst eine Zukunft. Nicht zu vernachlässigen ist die Ökologie.
    Letzten Endes ist alles eine Sache der gerechten Verteilung. Deswegen ist die Voraussetzung eine Verteilung der heutzutage so kostbaren Arbeit auf mehr Arbeiter (natürlich bei vollem Lohnausgleich), damit einerseits keine Überlastung entsteht (Burnout, Zeitmangel…) und andererseits endlich die Menschen einer Arbeit nachgehen können, die das kapitalistische System in HARTZ4 drängt.
    Grundsätzlich sollte mensch frei sein können in der Berufswahl und nicht eine unter bezahlte Arbeit in der mensch seine Fähigkeiten nicht einbringen kann annehmen müssen, nur um zu konsumieren zu können.

  7. Die Geschlechterfrage ist kein Nebenwiderspruch.... von Kathi am 17-07-2012

    Kathi sagt:

    Die Geschlechterfrage ist kein Nebenwiderspruch. Genau dazu macht ihr ihn aber mit Sätzen wie diesem: „Für uns geht es konsequenter Weise auch um die Einbeziehung der geleisteten Sorgearbeit in die Bilanz der gesellschaftlichen Wertschöpfung.“

    Was bringt es für die Geschlechterfrage, wenn die Sorgearbeit monetär bewertet wird? Worin liegt der Sinn, wenn das BIP künstlich aufgebläht wird? Welche Frau wird dadurch befreit, dass „ihre Hausarbeit“ im BIP bewertet wird? Und welche Änderungen sollen sich dadurch für die Erwerbsarbeit ergeben? Eine monetäre Bewertung des privaten Lebensbereichs halte ich für einen völlig falschen Ansatz.

    Viele Passagen hören sich gut an, ohne jedoch tatsächlich konkret zu werden. Moralisierende Kategorien wie „völlige Neubewertung“, „Umbewertung“ etc. scheinen mir zwar geeignet Zustimmung zu organisieren, aber offen zu lassen, wozu hier zugstimmt wird. So auch der Satz „In den politischen Auseinandersetzungen widerspiegelt sich dieser begonnene Umbewertungsprozess in dem Kampf um eine radikale Arbeitszeitverkürzung bei gleicher Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern.“

    1) Historisch wurde der Kampf um kürzere Arbeitszeit geführt und zwar unabhängig von der Geschlechterfrage. Dies mindert seine Bedeutung keineswegs, stellt aber die Sinnhaftigkeit der hier getroffenen Aussage in Frage. Zumal ich es ein wenig okkupatorisch empfinde.

    2) Wie soll die Gleichverteilung von unbezahlter und bezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern erreicht werden? In der Summe? Im Durchschnitt eines Tages, eines Jahres, des Lebens? Und was ist, wenn eine Person keine bezahlte oder unbezahlte Arbeit machen will? Wie wird dann die Gleichverteilung erreicht?

    Die Geschlechterfrage muss mitgedacht werden. Aber welcher Gewinn liegt in der Erkenntnis, dass viele „frauentypische“ Berufe weniger Energie verbrauchen als extrem Energieintensive vermeintliche „männertypische“ Berufe? Würden die Geschlechter wirklich gleich, fiele dieser völlig irrig den Geschlechterverhältnissen zugeordnete Verbrauchsunterschied flach. Worin wäre also der Erkenntnisgewinn.
    Letztlich finde ich diesen Einwurf keine „Frage der Woche“ und vor allem einen Beitrag, an dem es sicherlich noch einiges zu kritisieren gibt, der aber die eigentliche Debatte meines Erachtens nicht weiterbringt.

    • Hallo Kathi, zu 1), Du hast recht, ursprünglich... von Margarete52 am 20-07-2012

      • zu 1) (unfreiwillige) Teilzeit mit dem Kampf um... von Kathi am 20-07-2012

        • Hallo Kathi, zu 1) unfreiwillige Teilzeit und... von Margarete52 am 25-07-2012

          • Liebe Magarete52, zu 1) ich habe doch nichts... von Kathi am 25-07-2012

  8. An Sonja und Conny: Als Mann, der mit einem Mann... von Thomas Reuter am 18-07-2012

    Thomas Reuter sagt:

    An Sonja und Conny: Als Mann, der mit einem Mann zusammenlebt, bleibt mir persönlich gar nichts anderes übrig, als auch “typische Frauenarbeit” im Haushalt zu verrichten ;-) Wer wann den Müll rausbringt, die Kinder oder Hunde hütet und die alte Mutter betreut, ist PRIVATSACHE und PRIVATLEBEN. Das geht in einer normalen, auf gegenseitiger Achtung und Liebe beruhenden Beziehung sicher nicht ohne Streit, aber es geht am Ende wohl gerecht zu. Denn ich kann mir keine Gesetze und nicht mal ein Parteiprogramm vorstellen, die Mann vorschreiben, zu putzen und Frau vorschreiben einmal wöchentlich abends mit Freundinnen Fussball zu gucken. Es muss aber so sein, dass die GELDERWERBS-Arbeit beiden dafür ZEIT lässt. Nur dafür können politisch Rahmenbedingungen gesetzt werden. Und die waren in der DDR zunächst mal auch für Frauen in einer traditionellen Frauenrolle besser. Die Geschlechter-Rollendiskussion ist hier wirklich fehl am Platze. Sie ist sicher kein Randthema. Aber hier sollte es um RAHMENBEDINGUNGEN gehen. Eine gute und sinnvolle Rahmenbedingung in der LINKEN ist zum Beispiel die Quotierung der Wahlen. Diese Regelung könnte auch in der Gesetzen ausserhalb der Partei angewandt werden. Andererseits sagt sie viel über biologische Geschlechterunterschiede. Männer spielen sich nun mal gern in den Vordergrund. Und Frauen denken bei Berufschancen eben einmal öfter als Männer an die die Zeit für die Kinder. Frauen sind auch unglücklicher als Männer, wenn sie es aus beruflichen Gründen verpasst haben, Kinder zu bekommen. Daran ändert keine Partei und kein Gesetz etwas. Es muss ganz einfach möglich sein, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. KITA-Plätze und Haushaltstag(für beide Geschlechter, wenn Kinder im Haus sind) sind da sicher gute Ansätze aus DDR-Zeiten.

  9. Ansonsten sieht, glaube ich, KATHI das ganz... von Thomas Reuter am 18-07-2012

    Thomas Reuter sagt:

    Ansonsten sieht, glaube ich, KATHI das ganz richtig. Diese Frage der Woche ist zu ungenau oder hat HIER eben nichts zu suchen.

    • Lieber Thomas, auf eine Rollendebatte würde ich... von kasonze am 18-07-2012

      • Hallo kasonze Schöner hätte ich es nicht... von Thomas Reuter am 18-07-2012

      • Liebe Konstanze, nichts ist falsch an dem was du... von Kathi am 19-07-2012

        • Liebe Kathi, eigentlich war ich guter Hoffnung,... von kasonze am 19-07-2012

  10. Seltsam finde ich nur, dass ausser mir KEIN MANN... von Thomas Reuter am 18-07-2012

    Thomas Reuter sagt:

    Seltsam finde ich nur, dass ausser mir KEIN MANN sich überhaupt äussert.

    • Grundmüllers Walter habe ich übersehen… so von Thomas Reuter am 18-07-2012

  11. ich lese hier überwiegend, dass die... von Margarete52 am 20-07-2012

    Margarete52 sagt:

    ich lese hier überwiegend, dass die “Frauenarbeit” (Kindererziehung, Pflege der Angehörigen etc.) nicht monetär bewertet werden soll. Wie soll es denn sonst bewertet werden? Wir alle leben von dem Geld, dass wir uns durch “Arbeit” verdienen. Außer denjenigen, die aus diesem System ausgeschlossen wurden. Die werden dafür bestraft, dass sie daran nicht mehr teilnehmen dürfen.
    Aber noch mal zur typischen von (hauptsächlich) Frauen geleisteten zusätzlichen Arbeit, die ganz selbstverständlich nicht bezahlt wird. Auch Frauen müssen von etwas leben. Komisch, dass diese Tatsache komplett ingnoriert wird! Wenn sie alleinstehend sind und auch noch Kinder haben, dann können es sich diese Frauen gar nicht leisten weniger zu arbeiten. Zumal sie zum großen Teil nur schlecht bezahlte Teilzeitjobs bekommen und verstärkt im Niedriglohnbereich arbeiten müssen. Wenn diese Frauen gar keinen Job bekommen, weil ihnen die Möglichkeit genommen wird ihre Kinder unterzubringen, dann fallen sie auch noch im Alter in die Altersarmut. Das hängt auch damit zusammen, dass die soziale Arbeit, die Frauen “nebenbei” erledigen nicht monetär bewertet wird.
    Wenn wir hier über Umbau reden, dann sollte diese soziale Arbeit sehr wohl monetär bewertet werden. Außer es gibt eine Möglichkeit das Geld komplett abzuschaffen. Meine Fantasie reicht hierfür leider nicht aus, was aber nicht heißen soll, dass es nicht möglich sein könnte.
    Ich plädiere daher eher für die Möglichkeit, den Volkswirtschaftlichen Gewinn, der von uns ALLEN erwirtschaftet wird, gerechter zu verteilen. Wo steht geschrieben, dass ein Bankmanager oder ein Vorstandsvorsitzender mit Millionengehalt nach Hause geht, während eine allein Erziehende Mutter zum “Amt” betteln gehen muss, weil ihre Arbeit monetär nicht bewertet wird.
    Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe meine Tochter allein großgezogen und aus der ist auch noch was geworden. :-). Ich hatte Glück und musste nie zum “Amt” betteln gehen.
    Das war nicht leicht, aber mit den heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Schon allein die Studiengebühren hätte ich mir nicht leisten können. Außerdem arbeite ich in einem Global-Player (männerdominiert) und erlebe dort täglich welcher Stellenwert den Frauen entgegengebracht wird. Es würde schon viel helfen, wenn wir fürs erste, erkennen würden, dass auch so “nebensächliche” Arbeiten, wie Fensterputzen oder Toiletten säubern, immer anfallen werden. Solche arbeiten wird es auch noch geben, wenn wir die Bildungschancen unsrer Kinder erheblich verbessern und die Mehrheit einen guten Schulabschluss hat.
    Möglicherweise haben wir dann studierte Fensterputzer ;-), was keine Rolle spielt, wenn sie angemessen und menschengerecht bezahlt und behandelt werden!

    • Hallo Margarete52, die Krux an der monetären... von Conny S-K am 20-07-2012

      • @ Kathi: Dein Vorschlag gesellschaftlich... von Silke Mahrt am 24-07-2012

        • Liebe Silke, ich sehe das halt ein wenig anders.... von Kathi am 24-07-2012

          • da muss ich nun doch noch etwas dazu... von Margarete52 am 25-07-2012

  12. Liebe Magarethe52, Zustimmung. Ich habe auch... von Kathi am 25-07-2012

    Kathi sagt:

    Liebe Magarethe52,

    Zustimmung. Ich habe auch niemandem verwehrt “seinen” Teil zu bekommen.

    Ich schrieb ja
    “Worüber wir uns sicherlich einig sind, ist dass hier niemand verhungert oder ein “Mindestmaß” an Teilhabe verwehrt wird.”

    Es ging in meinem Beitrag als Erwiederung auf die Forderung nach dem Grundeinkommen lediglich um die Frage, ob die Mindestsicherung bedingungslos gewährt wird. Und da habe ich gesagt:

    “Worüber wir uns uneinig sind, ist dass jeder Mensch, unabhängig von seinem Vermögen und Einkommen monatlich seinen Scheck vom Staat bekommt.”

    Um es also nochmal zu sagen: ich bin dafür, dass es eine repressionsfreie soziale Mindestsicherung gibt. Ich bin dafür, dass Einkommen darauf (nahezu voll/ nur wenig Freibeträge) angerechnet wird (ich will keinen Kombilohnanreiz). Ich will das Einkommen (so lange es eine “marktwirtschaft” ist in der wir leben) über den Markt regeln. Das heißt am wichtigsten und zu aller erst: Ich kämpfe um Lohnerhöhungen und eine Umverteilung im primär Sektor. Erst soweit und wenn in diesem Segment die Verteilung (sowohl zwischen Kapitalisten und “Arbeitern” als auch innerhalb der “Arbeiter”) zu ungleich ist, muss und soll der Staat umverteilend eingreifen (die Hauptaufgabe der Sozialversicherung sehe ich nicht in der Umverteilnug sondern in der solidarischen Absicherung üblicher Lebensrisiken). Ich möchte “das private” nicht bezahlen und nicht verstaatlichen. Ich will den privaten Bereich den Menschen selbst überlassen. Dass sie hier gute Bedingungen vorfinden müssen, ist selbstverständlich notwendig (d.h. u.a. gebührenfreie Kitas, aus der Pflegeversicherung bezahlte professionelle Pflege, jedem einen Job mit gutem Einkommen, gute Arbeitsbedingungen, welche Familienfreundlichkeit explizit mitdenkt, kein Ehegattensplitting, u.u.u.). Ich erwarte aber auch, dass sich alle nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten an der Gesellschaft beteiligen und einsetzen. Es gibt kein Recht auf unbegrenzte und bedingungslose Faulheit. Es gibt Urlaubsanspruch und Arbeitszeitverkürzungen, aber es gibt eben auch notwendige Arbeiten, an denen sich alle beteiligen müssen.

    • Nachtrag: Ja, die Steuerflüchtlinge. Aber sind... von Kathi am 25-07-2012

      • ich bin ganz normale Angestellte in einer großen... von Margarete52 am 27-07-2012

        • Magarete52, sicherlich gibt es auch Menschen, die... von Kathi am 27-07-2012

          • wenn die Witwe mit kleiner Rente von ca. 300€... von Margarete52 am 06-08-2012

          • Liebe Magarethe52 (bezieht sich auf deine Antwort... von Kathi am 07-08-2012

  13. Hui, hier halte ich mich raus. Fakt ist: unser... von Marilyn Heib am 02-08-2012

    Marilyn Heib sagt:

    Hui, hier halte ich mich raus.
    Fakt ist: unser Plan B kann nur ein Plan B werden, wenn sich das gesamte Wertesystem ändert. Und dazu gehört auch die Geschlechtergerechtigkeit im Sinne von: typische weibliche Arbeiten müssen gleichwertiger bezahlt werden.
    ich habe im Urlaub ein ganz tolles Buch gelesen, und ehrlich möchte ich hiermit anregen, dass wir Ideen daraus einbeziehen und Herrn Christian Felber zu unsrer Konferenz Ende Oktober einladen, das Buch heißt “Die Gemeinwohlökonomie”