Frage der Woche, 1. Oktober 2012

Ist der “ökologische Fussabruck” geschlechtsneutral?

Fazit: Leider kam keine Debatte zu dieser Frage zustande, da nach Aussage der Kommentierenden die Frage nicht verstanden wurde.

Erläuterungen zur Frage: Noch immer wird der „ökologische Fussabdruck“ (Footprint) zumeist pauschal nach Ressourcen- und Flächenverbrauch berechnet. Wer da wie über seine Verhältnisse lebt, wie produziert oder verbraucht wird, wird bei der Erhebung nicht gefragt.

Die Herstellung von Bekleidung, Computern, Blumen, Kaffee oder auch Spielzeug, von Dingen also, die wir alltäglich in unseren Läden kaufen und die unser Leben erleichtern und verschönern sollen, hat oft negative Folgen für Menschen und Umwelt. Wenn wir anfangen, die Produktionsbedingungen unserer Gebrauchsgegenstände zu hinterfragen, dann fällt uns dabei nicht nur auf, dass Vieles im globalen Süden und unter miesen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Wir sehen plötzlich auch, dass wir hier im reichen Norden in schwierigen Umbrüchen einer deregulierten Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts leben und viele Frauen (und Kinder) an anderen Orten der Welt in einer Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts leben. Überlange Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden und Löhne, die es nicht ermöglichen, ein menschenwürdiges Leben zu führen, gehören zum Alltag der Arbeiterinnen bei Nike, bei Jeansherstellern und Computerproduzenten. Free Software ist in unserer Welt eine allbekannte und berechtigte Debatte. Doch sie wird erst politisch komplett, wenn sie mit „Fair Hardware“ verbunden wird.

Der ökologische „Footprint“ ist real nicht geschlechtneutral, auch wenn er nur marktförmige wertschöpfende Parameter in die Ressourcenverbrauchsrechnung einbezieht. Genau wie wir hierzulande geschlechtergerechte Perspektiven in der Politikentwicklung verlangen, gilt es diese Sichtweisen auch im Globalen anzuwenden.

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6 Kommentare

  1. Was ist das denn für eine komische Frage? Was... von Wolfgang am 04-10-2012

    Wolfgang sagt:

    Was ist das denn für eine komische Frage?
    Was hat denn der ökologische Fußabdruck mit dem Geschlecht zu tun? Die schlechten Arbeitsbedingungen in den Kleiderfabriken des Südens und der öko Fußabdruck sind wichtige aber doch völlig unterschiedliche Themen.
    Würde es im bezug auf den öko Abdruck einen unterschied machen wenn Männer in diesen Fabriken arbeiten? Wahrscheinlich nicht.
    Was ist jetzt das Thema der Frage?
    Die schlechten Arbeitbedingungen im Süden?
    Die ungleiche Behandlung von mänlichen und weiblichen Arteitskräften?
    Oder geht es um die Verringerung des öko Fußabdruckes?

  2. Ich habe mit der Frage auch ein Problem.... von Margarete52 am 04-10-2012

    Margarete52 sagt:

    Ich habe mit der Frage auch ein Problem. Anscheinend sind wir nicht die Einzigen, da es keine Diskussion gibt.
    Ich gehe jetzt mal allgemein auf schlechte Arbeitsbedingungen ein. Wir Alle wissen hoffentlich, dass die in Drittwelt-Länder ausgelagerten Arbeitsplätze, wegen der schlechten Arbeitsbedingungen so billig sein können. Jetzt regen wir uns darüber auf. Aber wir unternehmen nichts dagegen. Ganz im Gegenteil. Wir “benützen” diese Tatsachen dazu, auch bei uns die Arbeitsbedingungen kontinuierlich zu verschlechtern. Wegen den Wettbewerbs ;-). Ich arbeite in einem deutschen Konzern, der uns Arbeitnehmern sagt, dass wir mit China konkurrieren müssen! Wie soll das funktionieren, wenn nicht die Arbeitsschutzgesetze weiter ausgehöhlt und die Löhne und Gehälter noch weiter gesenkt werden? Denn an den Managergehältern und den Dividenden für die Aktionäre kann nicht gespart werden. Ganz im Gegenteil, die müssen jedes Jahr weiter im zweistelligen Bereich steigen. Wenn nicht, dann müssen weiter Arbeitsplätze in die Länder verlagert werden, in denen sich keiner um die Arbeitsbedingungen der Menschen die dort arbeiten müssen kümmert. Das gilt für Männer und Frauen. In dieser Hinsicht herrscht Gleichberechtigung! :-)
    Ich komme immer wieder zu dem gleichen Schluss: Wir brauchen eine andere Wirtschaftsordnung. Eine Wirtschaft FÜR die Menschen und nicht GEGEN sie!

  3. Ich weiß noch nicht einmal, ob die obige Annahme... von Ralf Henrichs am 04-10-2012

    Ralf Henrichs sagt:

    Ich weiß noch nicht einmal, ob die obige Annahme stimmt. Sicherlich für Nike oder Benetton arbeiten in den Entwicklungsländern mehr Frauen als Männer unter extrem schlechten Bedingungen. Wenn es aber um Rohstoffabbau geht, als in den Bergwerken etc., arbeiten mehr Männer als Frauen. Und doct sind die Arbeitsbedingungen auch nicht wirklich fortschrittlich.

    Kurz: wenn in den Entwicklungsländern zu Niedrigstlöhnen gearbeitet wird, sind die Produktionsbedingungen erbärmlich. Egal ob dort Männer oder Frauen arbeiten.

    Ansonsten könnte die nur in einer sehr umfangreichen wissenschaftlichen Studie beantwortet werden. Und dann wäre mit Wolfgang zu fragen: was machen wir dem Ergebnis? Die Produktionsbedingungen müssen ja verbessert werden, völlig unabhängig davon, ob hierunter mehr Frauen oder mehr Männer leiden.

  4. Ich gehe eher davon aus, daß mit der Frage... von Andreas am 04-10-2012

    Andreas sagt:

    Ich gehe eher davon aus, daß mit der Frage gemeint ist ob eher Männer oder Frauen oder beide Geschlechter gleichermaßen darauf achten (oder auch nicht), WO und WIE die Erzeugnisse die wir kaufen, hergestellt werden und welche Umweltbelastungen und auf der anderen Seite auch Belastungen der “Erschaffenden” von Konsumgütern entstehen.

  5. OK wenn wir über die Arbeitbedingungen der... von Wolfgang am 05-10-2012

    Wolfgang sagt:

    OK wenn wir über die Arbeitbedingungen der “dritten Welt” reden, könnte man heute schon einiges tun das dort bessere Löhne gezahlt werden in dem wir Fair Einkaufen. Nicht nur Lebensmittel sondern auch Kleidung, Blumen, Pflastersteine usw. Fair IT gibt es noch nicht wirklich aber man kann immer wieder Nachfragen wenn man ein neues Handy, Küchengerät oder sonst was braucht auch das wirkt auf langer Sicht.
    Wir könnten Auf unseren Gemeinden und Kommunen als Bürger einfluß nehmen den die öffendliche Hand ist bei uns der größte Konsument, danach kommt die Kirche. Wenn jeder immer wieder mal bei seinem Bürgermeister Gemeinderat oder Stadtrat nachfragt, wie die Stadt oder Gemeinde zum Fair Trade steht, und sagt das ich als Mitglied der Gemeinde nicht möchte das meine Steuergelder für unsoziale hergestellte Produkte ausgegeben werden, ist das eine gute Möglichkeit Einfluß zu nehmen. Das gleiche gilt für Kirche und Kirchenvorstand usw. Wenn ich eine andere Wertigkeit der Wirtschaft,z.B. Faire Arbeitbedingungen,haben will muß ich mit kleinen Schritten anfangen.

  6. Sicherlich ist die Frage nach einem gewachsenen... von kasonze am 05-10-2012

    kasonze sagt:

    Sicherlich ist die Frage nach einem gewachsenen Verbraucherbewusstsein, nach fairem internationalen Handel keine, die zuerst für viele aus der Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit entwickelt wird. Doch der Blick auf die Arbeitsbedingungen weltweit – und richtig, da sind Männer in Minen genauso betroffen – schärft den Blick für unsere eigene globale Verflechtung und manch dunkle Seite unserer eigenen Lebensweise. Und aufgrund der strukturellen Diskriminierung von Frauen stoßen wir dabei, wie bei der Geschichte der Nikefrauen, auf Jobsituationen, die wir uns hier im reichen Norden kaum vorstellen und vergegenwärtigen sollten. Der ökologische Fußabdruck unserer Warenwelt ist eben nicht geschlechtsneutral und nur eine Frage des natürlichen Ressourcenverbrauchs, der – viel zu billigen Transporte – und der stofflich erfaßbaren Energie.

    Wir können weder auf Kosten der Natur, noch auf Kosten anderer Menschen unsere Gebrauchsgüter von heute und morgen produzieren. (Über Luxus müssen wir sicherlich gesondert diskutieren.) Und wir sollten – hier im reichen Norden vorangehen – sowohl bei den unmittelbaren Lösungen für einen sozialökologischen Umbau, den wir in Kommunen, in den Ländern, in Europa vorantreiben können. Wir haben dabei zugleich die Aufgabe, auf die globalen Rechte aller Menschen zu achten und schauen wir genau hin, dabei schlägt die strukturelle Diskriminierung von Frauen auch weltweit durch und wird im weitesten Sinne ein Teil unserer Lebensweise hier im Norden. Die Frage der Woche mag absurd klingen, aber sie macht vielleicht für diesen Gedanken sensibel und das klang ja in der bisherigen Diskussion auch schon an.

    “Jeder Mensch hat ein universell gleiches Recht auf einen Anteil an dem, was die Erde bietet, und eine universell geltende Pflicht, die Lebensgrundlagen zu schützen.”, steht irgendwo am Anfang des Plan B-Diskusionspapiers. Auf die realen Geschlechterverhältnisse – auch weltweit – zu schauen, bedeutet schließlich nicht, Frauen gegen Männer auszuspielen, die strukturelle Diskriminierung von Frauen in einen nachzuholenden Anspruch an einem Lebenstil und einem Anteil an einem – fragwürdig hervorgebrachten und angeeigneten – Weltvermögen zu deuten, daß viele so, wie es entsteht und – ungerecht – verbraucht wird – gar nicht weiter so haben wollen.

    Es geht mit einer (geschlechtersensiblen) Sichtweise auch nicht um eine Predigt zum Verzicht. Das hätte meiner Meinung nach keine Aussicht auf Erfolg. Es geht schlicht darum, daß Erwerbsarbeit, Tätigkeiten für Pflege, Erziehung, Zeit für Muße und schlaue Ideen, Einkommen für ein würdiges Leben schlicht umverteilt werden müssen – hier und weltweit. Und da geht es an manchen Orten zuerst darum, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu bekämpfen. Und das geht schließlich nicht durch frommes Wünschen und Herbeisehnen einer anderen Wirtschaftsordnung, sondern durch – so sehe ich das – viele kleine politische Schritte – hier vor Ort, @Wolfgang hat ja dazu gute Vorschläge gemacht. Und: Für mich gehört eben auch die Aufklärung über Arbeitsbedingungen im globalen Süden zu, die Information über ungerechten Welthandel. Und das ist am Ende ganz konkret, so wie bei den Nikefrauen, deren Aufständen mit staatlicher Gewalt begegnet wurde. Eine geschlechtersensible Herangehensweise nützt m. E. allen Geschlechtern, denn auch die Minenarbeiter bräuchten mehr Zeit für ihre Familien und Freunde, wie alle eine gute Absicherung bei Krankheit und im Alter brauchen.