Die Konsumlücke des PLAN B

Kommentar zum PLAN B von Dr. Rudolf Mondelaers
 
Konsumschlund. Foto: TraumTeufel666

Konsumschlund. Foto: TraumTeufel666

Die LINKE bekennt sich in ihrem Parteiprogramm wie auch in zahlreichen Erklärungen und Projekten ihrer politischen Praxis uneingeschränkt zum sozial-ökologischen Umbau. Mit dem PLAN B geht sie einen Schritt weiter: Sie entwirft, theoretisch begründet, konkrete Elemente dieses Umbaus. Bereits die Diskussion auf der PLAN-B-Konferenz Ende Oktober 2012 zeigte jedoch, dass, um zu einem vollwertigen handlungsorientierten Plan zu kommen, noch einige wichtige Problemfelder fehlen beziehungsweise noch zu kurz gedacht wurden. Insbesondere geht es dabei um die politische Handhabung der widersprüchlichen Lebensweltinteressen in der Bevölkerung.

Als beispielsweise die bekannte Dritte-Welt-Aktivistin Nicola Bullard auf der Konferenz betonte, dass wir – um eine sozialökologische Lösung der existenziellen Probleme der Welt zu erreichen – weg müssen von der Lebensweise weißer Männer, dann zielte sie auf eine für das Gelingen der PLAN-B-Initiative zentrale Problematik. Sicherlich ist der sozioökologische Umbau eine Frage der Art und Weise, wie in Industrie und Landwirtschaft produziert wird und womit wir uns fortbewegen. Sicherlich müssen dabei die Konsequenzen für die Beschäftigung berücksichtigt werden. Die Elemente dieser Flanken des Prozesses werden dann auch im PLAN B ausführlich dargestellt. Nur tangieren diese Elemente bloß indirekt das weitaus größere Problem der bis jetzt ressourcenmäßig vorherrschenden und weltweit immer noch angestrebten Lebensweise.

Mit Recht wird in der Einleitung zum PLAN B zwar darauf hingewiesen, dass eine weltweite Reproduktion des fordistischen Wohlstandstyps mit seinen aktuellem Konsumniveau und seinen Konsumstrukturen ein fünfzehn Mal größeres Wachstum der Weltwirtschaft voraussetzt und eine universelle Ökokatastrophe verursachen würde. Mit Recht wird deshalb auch im roten Faden die Frage gestellt: „Wie viel Konsum und Naturverbrauch brauchen wir, um glücklich zu sein?“ Die Antwort verlangt jedoch das unbequeme Nachdenken über einen grundlegenden Wandel der individuellen und gesellschaftlichen Werte als unabdingbare Voraussetzung eines Vorhabens wie PLAN B.

In Anbetracht des ressourcenverschwenderischen Umfangs und der weltweiten, fetischisierenden Wirkung des westlichen Konsummodells handelt es sich dabei aber an erster Stelle um die Werte der Bevölkerung in den entwickelten kapitalistischen Ländern selbst. Nicola Bullard lokalisierte daher mit Recht die wichtigste Front des weltweiten sozialökologischen Umbaus bei der individuellen und gesellschaftlichen Lebensweise beziehungsweise Konsumkultur in diesen Ländern, also auch in der Bundesrepublik Deutschland. Und hier drückt der Schuh des PLAN B.

In allen folgenden Abschnitten des Plans taucht das Problem der notwendigen Veränderung des Lebensstils der eigenen Bevölkerung nur am Rande auf. Der methodologische Hauptfaden der Argumentation konzentriert sich fast ausschließlich auf die stofflichen, die materiellen Strukturen der Energieversorgung, der Industrie, der Landwirtschaft und des Verkehrs. Fast ähnlich wie beim Green New Deal besteht die Gefahr, Energieeffizienz als zentralen Reformschlüssel zu verstehen. Die notwendige Änderung unserer Konsumkultur wird demgegenüber explizit nur in Zusammenhang mit der Ernährung angedeutet. Aber auch hier wird die brennende Frage des systemischen Warums dieser ökoschädigenden Konsumpräferenzen kaum behandelt.

Ein linkes Konzept eines sozioökologischen Umbaus muss aber unbedingt ganzheitlich sein, muss systemisch sämtliche Bestandteile der gesellschaftlichen Reproduktion umfassen. Folglich kann ein solches Konzept nicht ohne die gleichwertige Einbeziehung der Problematik Lebensweise mit seinem tragenden Bestandteil Konsumwelt funktionieren. Warum denn stehen zehntausende Jugendliche eine ganze Nacht an, um das neueste Apple-Gerät zu ergattern, obwohl es (dixit Dietmar Hexel/DGB auf der Konferenz) mit Recht als ökologischer Ressourcenvergeuder charakterisiert wird (und Hexel es vielleicht trotzdem selbst auch benutzt). Warum geht es der deutschen Automobilindustrie noch blendend, obwohl sie die materialintensivsten und PS-kräftigsten Autos der Welt produziert? Mit einer Analyse, die vorrangig auf die Angebotsstrukturen ausgerichtet ist und die Ursache bestehender, manipulierter, nachfragebestimmender Konsumpräferenzen nicht ausreichend einbezieht, kann ein PLAN B diese Hürden für seine Realisierung nur schwer beseitigen.

Erste prinzipielle Schlussfolgerung also: Der PLAN B muss unbedingt die Analyse der für die Reproduktion einer Gesellschaft enorm wichtigen Sphäre der Konsumtion einbeziehen.

Wie PLAN B Erfolg versprechend umsetzen?

Diese Frage beinhaltet zwingend, dass auch die handlungsorientierten Konsequenzen zu benennen sind. Es muss die Frage nach der ökologischen und sozialen Berechtigung und dem manipulierenden Wirkungsmechanismus der individuellen Lebensweise unserer Bevölkerung gestellt werden. Das aber ist für alle Parteien, in besonderer Weise auch für eine linke Partei, ein heißes Eisen. Sie muss die Frage ja ihren konsumierenden Wählerinnen und Wählern stellen und versuchen ihr Verhalten zu ändern.

Im Abschnitt „Kräfteverhältnisse, Bündnisse & Durchsetzung“ wird in diesem Zusammenhang auf das Problem der mit der Umbaustrategie verbundenen interessenbedingten Konflikte hingewiesen. Sie ergeben sich im bisherigen PLAN-Text vor allem aus Strukturen des Arbeitsprozesses und des Arbeitsmarktes beziehungsweise aus der Struktur der vorher untersuchten vier Sektoren. Es ist dabei vollkommen richtig, die notwendige Herausbildung neuer Lebensweisen zunächst organisch mit der Frage nach einer gerechten Umverteilung und der Qualität der Arbeit zu verbinden und dabei Kompetenz im Bereich der Wirtschaftspolitik zu zeigen. Wenn aber die Konsumtion organisch einbezogen wäre, ergäben sich die bewusstseins- und wahlrelevanten Konflikte mit Sicherheit letztendlich aus dem Bereich der Konsumstruktur. Um die sozial und ökologisch schädlichen Konsumpräferenzen in der Bevölkerung könnte man sich dann nicht herum mogeln.

Die schädlichen Konsumpräferenzen entstehen aber nicht durch den „freien Willen“ der Konsumenten, sondern sind Verhaltensweisen, die durch die Eigentumsstrukturen der vorherrschenden Reproduktionsweise erzwungen werden. Dieser Mechanismus wird jedoch nicht als Zwang empfunden, sondern als Erfüllung der Freiheit des Konsumenten, die aber in Wirklichkeit ein fetischisierender Schein zugunsten der Gewinnstrategie der globalisierten Monopole ist. Das verkompliziert die Aufgabe gewaltig, zeigt aber, dass eine Strategie der gesellschaftlichen Transformation es nicht bei Halbherzigkeiten und Teilbereichen bewenden lassen kann – auch nicht und gerade dann nicht, wenn manche Wahrheiten unbequem sind.

Diese konfliktreiche Komplexität des Vorhabens deutet die zweite Schlussfolgerung an. Es ist auch im Konsumbereich nötig, demokratische Entscheidungsprozesse (Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Assoziation) zur Gestaltung nachhaltiger, demokratischer Konsumstrukturen zu entwickeln (soziale Annäherung statt Segregation und Individualisierung, mehr gemeinschaftliche und gesellschaftliche statt der hypertrophierten individuellen Konsumtion). Sie könnten (unter Berücksichtigung der bestehenden widersprüchlichen Konsumpräferenzen und Konsumzwänge) an die durch eine wachsende Zahl von Menschen empfundene Gefahr der ökologischen und sozialen Katastrophe anschließen und entsprechende Aktionen unterstützen. Beispielhaft für solche Aktivitäten sind die im PLAN B genannten, selbst organisierten Aktionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern im Bereich der Energieversorgung (Stromwechsel, kollektiver Ankauf, Netzkauf, Energiegenossenschaften). Die Wirkungsbereiche einer solchen Strategie lassen sich fast grenzenlos erweitern.

Sollte PLAN B jedoch auch dazu gedacht sein, der Partei DIE LINKE selbst Kompetenzansehen und Glaubwürdigkeit im Bereich des sozialökologischen Umbaus zu sichern, kann PLAN B sich nicht auf der Aufzählung von möglichen politischen Rahmensetzungen und allgemeinen Aktionspotenzialen beschränken. Dann muss, so meine dritte Schlussfolgerung, die Partei selbst zu einem gestaltenden Akteur werden. Das gelänge am besten, indem sie zunächst den PLAN B zum Kern ihrer Öffentlichkeitsarbeit macht.

Die Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung lehrt, dass ihr nur dann Durchbrüche, ja sogar Paradigmenwechsel gelangen, wenn sie ihre Kampagnen auf ein zentrales Thema ausrichtete. Ein Thema also, das als ein verständlich und zielgerichtet strukturiertes politisches Projekt kommuniziert wurde. Und der PLAN B kann so ein Projekt sein, da er auch Raum bietet, um die vielen anderen brennenden Probleme unserer Zeit konsistent zu thematisieren. Strategisch muss der konkrete Ausgangspunkt einer solchen Kampagne die durch Nicola Bullard genannte zentrale Front der Lebensweise und des Konsumstils sein. Und das auch aus taktischen Gründen, weil es hier bereits heute erfolgreiche selbstorganisierte Aktionen gibt und die Partei dort selbst leicht zu einem gestaltenden Akteur werden kann.

Artikel drucken

10 Kommentare

  1. Die Ausführungen von Charles Eisenstein... von Schneider Norbert am 16-11-2012

    Schneider Norbert sagt:

    Die Ausführungen von Charles Eisenstein (http://www.youtube.com/watch?v=5AZzBM8FVqo), müssen unbedingt in der Diskussion mit berücksichtigt werden.
    Siehe Vortrag.
    In diesem Vortrag spricht Autor Charles Eisenstein über Aspekte von Geld, die den meisten Menschen nicht bewusst sind. Charles sieht die globale Krise als einen Prozess in dem die Menschheit als Ganzes erwachsen wird und dieser Prozess hat seine Tücken genauso wie die Pubertät ihre Tücken hat. Er geht kurz auf die Funktionsweise von Geld und den Mechanismus ein, mit dem es erzeugt wird, denn diese haben die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft und Gesellschaft funktioniert, tiefgreifend beeinflusst. Gesellschaftliche Veränderung ist somit nur möglich, wenn auch das Geldsystem reformiert wird, um positive neue Anreize für eine Veränderung unseres Verhaltens zu geben.

    • Das Geldsystem ist ein Regelmechanismus, der die... von Falk Neuner am 17-11-2012

      • Selbstverständlich kann man strategisch und... von Mondelaers am 19-11-2012

        • Man wird das Geldsystem nicht abschaffen können,... von Falk N am 22-11-2012

        • Man muss strategisch und taktisch beim Geldsystem... von Piraten sind wir ! am 26-11-2012

    • Jegliche Diskussionen über anspruchsvolle... von Joachim Schulz / Mitglied DIE LINKE am 25-11-2012

  2. “Fast ähnlich wie beim Green New Deal... von Waldmensch am 18-11-2012

    Waldmensch sagt:

    “Fast ähnlich wie beim Green New Deal besteht die Gefahr, Energieeffizienz als zentralen Reformschlüssel zu verstehen.”

    “Dann muss, so meine dritte Schlussfolgerung, die Partei selbst zu einem gestaltenden Akteur werden. Das gelänge am besten, indem sie zunächst den PLAN B zum Kern ihrer Öffentlichkeitsarbeit macht.”

    Der PlanB bewegt sich programmatisch zu nah am grünen Vorbild was die Vermutung nahe legt, dass er dazu missbraucht werden soll um Rot-Rot-Grüne Koalitionsbereitschaft zu signalisieren. Der PlanB müsste ernsthaft angegangen, im Zentrum der Partei stehen und eine deutlich distanzierte Stellung zur grünen Green-New-Deal-Politik beziehen. Eine Wirtschaft ohne Wachstum bis Minuswachstum sollte das Ziel der Bemühungen sein. Hier besteht eine tatsächliche “Konsumlücke” wie im Ausgangsartikel beschrieben wird. Die Grünen selbst wildern derzeit mit Kalkül im Sozialen als gelte es die Mittäterschaft an Agendapolitik ungeschehen zu machen. Die Linke muss sich hingegen eindeutig neu postitionieren oder den PlanB ehrlich zur Seite legen.

    Die Linke möchte gewinnen ohne zu riskieren. Aus Wählersicht wirkt sie somit in bestehender Parteienlandschaft ebenso festgefahren wie etabliert, unfähig tatsächliche Problemursachen erfassen zu wollen. Keine echte Alternative.Die Leute wählen keine kleineren Übel mehr. Sie wählen gar nicht.

  3. Literaturempfehlungen (zur kritischen... von Waldmensch am 24-11-2012

    Waldmensch sagt:

    Literaturempfehlungen

    (zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus und der Krise der kapitalistischen Wirtschaft)

    Elmar Altvater (2009): Privatisierung und Korruption: Zur Kriminologie von Globalisierung, Neoliberalismus und Finanzkrise. Hamburg: Anders Verlag.

    Samir Amin et al. (Hrsg.) (2009): Das Ende des Kasino-Kapitalismus? Globalisierung und Krise. Berlin: Blätter Verlagsgesellschaft GmbH.

    Joachim Bischoff (2009): Jahrhundertkrise des Kapitalismus: Abstieg in die Depression oder Übergang in eine andere Ökonomie? Hamburg: VSA Verlag.

    Werner Bonefeld / Michael Heinrich (Hrsg.) (2011): Kapital & Kritik nach der „neuen“ Marx-Lektüre. Hamburg: VSA Verlag.

    Pierre Bourdieu (2005): Das Elend der Welt. Stuttgart: UTB.

    Ulrich Brand (2011): Post-Neoliberalismus? Aktuelle Konflikte und gegenhegemoniale Strategien. Hamburg: VSA Verlag.

    Christoph Butterwegge/Bettina Lösch/Ralf Ptak (Hrsg.) (2008): Neoliberalismus: Analysen und Alternativen. Wiesbaden: Vs Verlag.

    Mario Candeias (2009): Neoliberalismus, Hochtechnologie, Hegemonie. Frankfurt am Main: Argument Verlag.

    Robert Castel (2011): Die Krise der Arbeit. Neue Unsicherheiten und die Zukunft des Individuums. Hamburger Edition.

    Robert Castel / Klaus Dörre (2009): Prekariat, Abstieg, Ausgrenzung. Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts. Frankfurt am Main: Campus Verlag.

    Collin Crouch (2007): Postdemokratie. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

    Collin Crouch (2011): Über das befremdliche Überleben des Neoliberalismus: Postdemokratie II. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

    Alex Demirovic (2007): Demokratie in der Wirtschaft. Postionen, Probleme, Perspektiven. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot.

    Alex Demirovic et al. (Hrsg.) (2011): VielfachKrise. Im finanzmarktdominierten Kapitalismus. Hamburg. VSA Verlag.

    Frank Deppe/ Joachim Bischof (2011): Europa im Schlepptau der Finanzmärkte. Hamburg: VSA Verlag.

    André Gorz (2009): Auswege aus dem Kapitalismus: Beiträge zur politischen Ökologie. Zürich: Rotpunktverlag.

    André Gorz (2010): Kritik der ökonomischen Vernunft. Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft. Zürich: Rotpunktverlag.

    David Harvey (2011): The Enigma of Capital and the Crisis of Capitalism. London: Profile Books Ltd.

    Wolfgang Fritz Haug (2009): Kritik der Warenästhetik. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

    Michael Heinrich (2007): Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung. Stuttgart. Schmetterling Verlag.

    Joachim Hirsch et al. (Hrsg) (2008): Der Staat der Bürgerlichen Gesellschaft: Zum Staatsverständnis von Karl Marx. Baden-Baden: Nomos Verlag.

    John Kannankulam (2007): Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus: Zur Staatstheorie von Nicos Poulantzas. Hamburg: VSA.

    Martin Kronauer (2010): Exklusion. Die Gefährdung des Sozialen im hoch entwickelten Kapitalismus. Frankfurt am Main: Campus Verlag.

    Claus Leggewie/ Harald Welzer (2009): Das Ende der Welt, wie wir sie kannten: Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie. Frankfurt am Main: Fischer Verlag.

    Herbert Marcuse (1999). Nachgelassene Schriften 1: Das Schicksal der bürgerlichen Demokratie. Lüneburg: Zu Klampen Verlag.

    Herbert Marcuse (2008): Nachgelassene Schriften 6: Ökologie und Gesellschaftskritik. Lüneburg: Zu Klampen Verlag.

    Oskar Negt (2010): Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform. Göttingen: Steidl Verlag.

    Henning Schramm (2005): Recht auf Ineffizienz: Orientierung und Lebenssinn im Kapitalismus: Ein Zeitporträt. Münster: Monsenstein und Vannerdat.

    Bernd Senf (2009): Der Tanz um den Gewinn: Von der Besinnungslosigkeit zur Besinnung der Ökonomie – Ein Aufklärungsbuch. Kiel: Gauke Verlag.

    Richard Sennett/ Michael Bischoff (2007): Die Kultur des Neuen Kapitalismus. Berlin: BVT.

    Joseph E. Stiglitz (2004): Die Schatten der Globalisierung. München: Goldmann Verlag.

    Peter Wahl (2011): Alles nur Kosmetik? Die „Reformen“ des internationalen Finanzsystems. Hamburg: VSA Verlag.

    Wolfgang Wippermann (2008): Der Wiedergänger: Die vier Leben des Karl Marx. Wien: Verlag Kremayr & Scheriau.

  4. Das die Werbung die Menschen zum Konsum... von Sabine Hesseling am 14-06-2013

    Sabine Hesseling sagt:

    Das die Werbung die Menschen zum Konsum verleitet, ist korrekt. Das größere Problem ist allerdings, DASS die Werbung zum Konsum verleitet. Fragen Sie mal einen Psychologen, was eine narzistische Persönlichkeitsstörung ist. Kurz gesagt: Ein Mensch mit dieser Störung hat einen Minderwertigkeitskomplex, der gering bis sehr stark ausgeprägt sein kann. Viele Narzisten versuchen, ihre Minderwertigkeitsgefühle durch Konsum zu kompensieren. Daher kommt das Phänomen, dass Harz IV – Bezieher sich lieber eine PlayStayshion kaufen, als ihren Kindern was zum Essen. Der Konsum wird benutzt, um sich aufzuwerten. Dieses Bedürfnis, sich aufzuwerten, geht durch alle Bevölkerungsschichten. Deswegen schaffen Reiche sich Segeljachten und Privatjets an.
    Das eigentliche Problem ist also, dass wir ein Gesellschaftssystem haben, dass es den Menschen nicht erlaubt, ein natürliches Selbstwertgefühl zu entwickeln. Anerkennung bekommt man für Leistung, und nicht dafür, dass man da ist. – Anerkennung bekommt man natürlich auch dafür, dass man schön, reich oder mächtig ist. – Unser Wirtschaftssystem profitiert vom weit verbreiteten Narzismus, ja er liegt ihm sogar zu Grunde. Die Menschen sind bereit, zu leisten, sich zu verschulden und ausbeuten zu lassen, nur um am Konsum teilhaben zu können. Und je mehr alle konsumieren, desto besser läuft die Wirtschaft und desto reicher werden die Reichen, womit sie sich wieder aufwerten können.
    Wir haben also eigentlich ein Gesellschafts- und Erziehungsproblem, also ein GRUNDLEGENDES, ALLUMFASSENDES Problem. Wie man das lösen könnte, weiß ich allerdings auch nicht. Es ist ja schließlich auch ein Mentalitätsproblem: Haste was, biste was.
    Aber wie kann man das abstellen?

    mfg
    Sabine Hesseling